Herr Zet lebt unter uns, aber er meidet die Menschen. Als Zusteller eines Anzeigenblattes richtet er sich, anstatt es auszuteilen, mit ihm ein. Zeitungen verkleiden seine Wände, sind sein Mobiliar, sein tägliches Nahrungsmittel. Sie ersetzen ihm Zuhörer, Gesprächspartner, Freundschaften. In der Verringerung auf zwei Dimensionen ist ihm die Welt willkommen, erträglich, ja ausgesprochen amüsant. Verängstigt ihn die unvermeidliche Türklingel auf das Äußerste, versetzt sie ihn einmal wöchentlich in Euphorie. Dann kommt Nachschub von draußen vor der Tür. Begierig macht er sich über die Zeitungsstapel her und schnippelt und faltet sie passend für seine Wirklichkeit. Die Leute lassen ihn gewähren. Die Gratisinformationen sind ihnen offenbar entbehrlich. Sie klagen nicht, und so lebte Herr Zet dieses merkwürdige Leben in höchster Zufriedenheit, wären da nicht die Nächte. Sobald die Dunkelheit kommt, ergreift ein immer wiederkehrender Alptraum von seiner Behausung Besitz. Glücklicherweise hat die Nacht ihre Grenzen und an jedem neuen Morgen verfliegen die schwarzen Schatten. Bis sich die nächtliche Bedrängnis einen Weg zutage schafft.
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Genre: Experimental
Jahr: 2006
Länge: 22 Min
Regie: Maria Madei, Benjamin Gaum
Schauspieler: Maria Madei, Benjamin Gaum
Schnitt: Maria Madei
Kamera: Benjamin Gaum
Produktion: Maria Madei
Buch: Maria Madei
www.myspace.com/mariamadei
"Ich wurde 1984 in Eisenach, Thüringen geboren. Seit 1995 lebe ich in
Leipzig. Bereits in jungen Jahren schrieb ich Gedichte und Geschichten. Mit
17 begann ich mich nach und nach immer mehr für Filme zu
interessieren. Besonders faszinierten mich die Werke von Kurosawa,
Tarkowskij, Fassbinder, Švankmajer und Buñuel. Mit 21 Jahren
lernte ich Benjamin kennen, der bereits Teil einer Amateurfilmgruppe war.
Zunächst half ich bei seinen Projekten, hatte aber schon bald die Idee
für einen eigenen Kurzfilm. 2006 verwirklichten wir unseren ersten
gemeinsamen Film „Die Geschichte des Herrn Zet“.
Geplant war diese „kleine“ Filmübung (Arbeitstitel:
Kleiner Lernfilm Nr.1), als Wochenendprojekt in dem Fahrradkeller unseres
Hauses. Doch bereits die Dreharbeiten dauerten wegen der leicht
unterschätzten Stopptricksequenzen 10 Tage, sehr zum Ärger der
übrigen Hausbewohner.
Zur Musik: Es handelt sich vorwiegend um passend geschnittene klassische
Stücke. Laut GEMA wäre das höchstens ein
Tonträgerproblem, falls die Leute die damals die Aufnahmen machten
bzw. die Stücke spielten überhaupt noch am Leben sind. Solange
wir den Film nicht für kommerzielle Zwecke verwenden würden,
sagte man uns, wäre es ok.
Das letzte Lied im Film wurde von Peer Raben komponiert und der Text
stammt von R. W. Fassbinder. Die Rechte für den Text liegen bei der
Fassbinderfoundation und die für die Komposition bei dem
Fragmento-Musikverlag. Wir haben bei beiden Institutionen angefragt und man
genehmigte uns die Nutzung für nicht kommerzielle Zwecke.
Ich hoffe der Film findet sein Publikum oder umgekehrt."