18.10.2007 / 22:23 · rel="superbox[iframe.feedback][500x450]">Artikel weiterempfehlen

Film: Happy End. Jede Geschichte braucht ein Ende

In Deutschland boomt die Independent Szene – das haben auch größere DVD-Labels erkannt. Koch Media hat mit “Happy End. Jede Geschichte braucht ein Ende” das Erstlingswerk des damals erst 23-jährigen Regisseurs Daniel Stieglitz veröffentlicht. Erzählt wird eine typische “Haunted House”-Geschichte, in der der junge Schriftsteller Leo dem dunklen Geheimnis seines Vormieters auf die Spur kommt.

Der junge Schriftsteller Leo Schwarz (Matthias Scherwenikas) hat zwar mit “Der blutlose Reiter” ein formidables Erstlingswerk hingelegt, doch seither leidet er unter einer Schreibblockade. Von einem Tapetenwechsel verspricht er sich einiges, deswegen zieht er von der Stadt aufs Land – in den Orchideenweg 28. Freundin Ida (Katharina Schwarz) ist wenig begeistert. Bevor sie einen Fuß in die heruntergekommene Wohnung macht, muss Leo erst einmal kräftigst renovieren. Dabei stößt er nicht nur auf unfreundliche Nachbarn, sondern auch auf die Geschichte des Vormieters (Erwin Leder) und dessen Tochter Joana, die bei einem Autounfall ums Leben kamen. Endlich Stoff für ein neues Buch? Scheint so, denn im ehemaligen Kinderzimmer entdeckt Leo Puppen mit vier Augen, unheimliche Kinderzeichnungen und ein Tagebuch mit der Aufschrift “Joana und Ruth”. Bei seinen Recherchen erfährt der Schriftsteller, dass Joana anscheinend von ihrem Vater misshandelt wurde – obwohl das Jugendamt keine Spuren der Gewalt an ihr feststellen konnte.

Die Wohnung entwickelt nun immer mehr ein Eigenleben: Seltsame Geräusche ertönen, ein Mädchen erscheint im Fernseher – und die Schreibmaschine fängt von selbst an zu tippen. Will Joanas Geist Leo etwas mitteilen? Starb sie nicht bei einem Unfall, sondern wurde gar ermordet? Doch je tiefer Leo sich in die Sache verwickelt, desto mehr entfernt er sich von der Realität.

“Oldstyle Grusel made in Germany” ist doch eher selten – doch dem jungen Regisseur Daniel Stieglitz gelang mit einem privat finanzierten Mini-Budget von 10.000 Euro Beachtliches. Die Geschichte ist zwar ein typischer Vertreter des klassischen “Haunted House”-Genres – und ist dadurch bis zu einem bestimmten Grad vorhersehbar. Auch schrammt der Film ab einem bestimmten Punkt haarscharf an der Langatmigkeit vorbei. Man kann das auch Taktik nennen, denn gegen Ende gewinnt der Film dann doch noch Fahrt – und wie! Schauspielerisch ist nicht viel auszusetzen: Hauptdarsteller Matthias Scherwenikas kasperlt zwar anfangs ein bisschen zu stark, dennoch nimmt den Zuschauer sein Fall mit. Nicht ganz glücklich erweist sich die Mischung von erfahrenen Schauspielern mit Laiendarstellern. Für seinen Film konnte Regisseur Stieglitz auch den Schauspieler Erwin Leder gewinnen, einen der wenigen Österreicher, der auch international mitmischt: So spielte er u.a. in “Das Boot”, “Schindlers Liste” und dem Vampirfilm “Underworld” an der Seite von Kate Beckinsale mit.

Zwar wurde auf Video gedreht, doch exzellente Ausleuchtung und Nachbearbeitung kreierten einen recht passablen Film-Look. Neben dem tollen Set verdient vor allem Make Up-Artist Anna Kirchhammer besonderes Lob. Ihr gelingt es, den psychischen und physischen Verfall von Leo sehr gut umzusetzen – dabei war sie bei den Dreharbeiten gerade mal 16 Jahre alt!

Die schön gestaltete DVD-Box beinhaltet zwei DVDs. Zum Hauptfilm gibt es ein Kommentar von Regisseur Stieglitz, doch für Filminteressierte dürfte vor allem die Bonus-DVD interessant sein. Neben sechs Interviews mit den Machern gibt es noch ein 45-minütiges Making Of, 14 nicht verwendete Szenen (mit Audiokommentar) und Produktionsnotizen. Seltsam, aber gerade bei Independent-Produktionen vermitteln die Making Ofs oft viel mehr Eindrücke über die Arbeit beim Film als so manches Bonusmaterial von Hollywood-Blockbustern.

Rodja-Ronald Pavlik


INFO: “Happy End. – Jede Geschichte braucht ein Ende” – Mystery, D 2003. 2 DVDs. Regie/Drehbuch/Schnitt: Daniel Stieglitz Darsteller: Matthias Scherwenikas, Erwin Leder, Katharina Schwarz, u.a. Kamera: Thomas Förster. Licht: Jan Köhler, Matthias Stocklöw. Ton: Tobias Böhm. Musik: Daniel Wehr. Budget: ca. 10.000,- Euro. Label: Koch Media Home Entertainment. Im Handel erhältlich u.a. bei Amazon


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