5.11.2007 / 17:45 · rel="superbox[iframe.feedback][500x450]">Artikel weiterempfehlen

Film: Für kurze Zeit Napoleon

Diesmal kein Film von einem Independentfilmer, sondern über einen Unerschrockenen, der trotz Niederschläge sich nicht unterkriegen lässt.

Er ist einfallsreich und kaum zu bremsen. Er ist seit 15 Jahren arbeitslos… Und er war Napoleon. Die Rede ist von Hobbyfilmer und “Stehaufmännchen” Wolfgang Krone. Regisseur Bart van Esch begleitet in seiner Doku “Für kurze Zeit Napoleon” den Universal -Künstler, der nie aufgibt. Denn: “… wenn es kein Erfolg wird, muss man aus Niederlagen lernen. Napoleon hätte das genau so gesehen.”

Die Dokumentation des niederländischen Regisseurs van Esch konzentriert sich – im Gegensatz zur preisgekrönten Doku Die Souvenirs des Herrn X des österreichischen Regisseurs Arash T. Riahi – nicht auf die Subkulturszene der Amateurfilmer, sondern ganz konkret auf das Leben des Hobbyfilmers Wolfgang Krone. Angefangen hat alles mit Zinnsoldaten – in den 70ern scharrte der sich damals in den Dreißigern befindliche Krone eine Gruppe von 15- bis 18-jährigen Burschen um sich. Man goss Zinnsoldaten, spielte Theater – und 1978 kam dann die Idee, einen Film über die Napoleonischen Kriege zu drehen: “Die Erinnerungen des Grenadiers Rousseau”.

Krone hatte zwar keine Ahnung von Kameras, dafür als einziger Berufstätiger genug Geld, sich entsprechendes Equipment zu besorgen. Gedreht wurde auf dem damaligen Amateurformat Super-8. Krone, der damals noch bei seiner Mutter lebte, nähte an die 100 Kostüme selbst, bastelte aus Besenstiele Gewehre – und zwei Kanonen wurden auch noch gebaut. Zunächst schien alles gut zu gehen, sogar die Presse berichtete regelmäßig von dem einfachen Arbeiter mit den ambitionierten Plänen. Doch der plötzliche Ruhm steigt Krone – zumindest nach Meinung seiner Freunde und Regisseur van Esch – zu Kopf. Plötzlich sieht er sich als richtiger Regisseur. Nach der Fertigstellung lässt er acht sündteure 16mm-Kopien von dem Super-8-Film machen. Der Film floppt, die Presse lässt Krone links liegen: Sie war an ihm, nicht aber am Film interessiert.

Über zwei Jahrzehnte nach dem Napoleon-Film treffen sich die Freunde von einst wieder, um noch einmal die Dreharbeiten mit ihren Licht-und Schattenseiten Revue passieren zu lassen. Krone selbst träumt noch immer von einer Karriere als Künstler. Bis zuletzt lebte der 55-Jährige mit seiner Mutter zusammen. Doch dann musste sie ins Heim, wo sie auch kurz darauf während den Doku-Dreharbeiten verstarb. Krone: ‘Ohne meine Mutter zu leben ist der erste große Schritt in meinem Leben.’ Nun ist er seit 15 Jahren arbeitslos und auf der Suche nach Anerkennung und einer Frau – aber das Debakel mit ‘Die Erinnerungen des Grenadiers Rousseau’ hat ihm eines klar gemacht: Er ist ein Künstler. Und als solcher schreibt er Theaterstücke, Lieder – ja, sogar ein Musical mit dem Titel ‘Arbeitslos und keine Frau’, das er mit Arbeitslosen aufführen will. Und so nebenbei möchte er seine ironischen und selbstreflektierenden Songs in der Sat.1-Talenteshow ‘Morning Star’ aufführen und Helge Schneider vorspielen.

Bart van Esch nähert sich in seiner mit TV-Beiträgen und Ausschnitten aus “Die Erinnerungen des Grenadiers Rousseau” angereicherten Doku dem Protagonisten mit sehr viel Respekt. Wolfgang Krone selbst agiert offen und ehrlich vor der Kamera. Mag der Eigenbrötler auch nicht ganz einfach sein, sein ungebrochener Wille und seine Kreativität ringen van Esch und dem Zuschauer Bewunderung ab.

Als Bonusmaterial findet sich auf der DVD neben einigen entfallenen Szenen, die wirklich erhellende Zusatzinformationen über Krone und seinen Film liefern, auch ein sehr informatives Interview mit Regisseur Bart van Esch.

Rodja Pavlik

INFO: ‘Für kurze Zeit Napoleon’ – Doku, D/NL 2004. 1 DVD. Regie: Bart van Esch. Produktion: maxim film . Label: Starmedia Entertainment . Im Handel erhältlich – u.a. über Amazon.de


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