Mit Bomben und Granaten
“Too Long Fu” – eine groteske
Gangsterkomödie versetzt das niederösterreichische Baden in
Ausnahmezustand.
Schauspieler sein ist manchmal ganz schön anstrengend: Einschusslöcher, die plötzlich direkt neben einem entstehen, heiße Patronenhülsen, die aus der Pistole ausgeworfen werden – und dann noch ein explodierender Kleinwagen. Es ist ziemlich viel, worauf man achten muss, wenn man eine Actionszene dreht. Die Waffe muss richtig gehalten werden – und wenn daneben noch ein Schauspielkollege steht, dann sollte man man eben darauf achten, ihn mit besagten Patronenhülsen nicht mit voller Wucht im Gesicht zu treffen.
Doch wer eine schräge Gangsterkomödie drehen will, der muss nun mal auch zu Opfern bereit sein. So wie Hermann Aichwalder und Thomas Nash . Der Regisseur und sein Hauptdarsteller kooperieren bei Too Long Fu – nach The Professionals und Sommerreigen , der immerhin zur Auswahl für den Kurzfilm-Oscar eingeladen wurde – mittlerweile zum dritten Mal miteinander. Während Aichwalder bei “The Professionals” und Nash bei “Sommerreigen” jeweils alleine das Skript schrieben, arbeiteten sie bei “Too Long Fu” erstmals gemeinsam am Drehbuch.
“Too Long Fu” ist eine betont schräge Angelegenheit, die zunächst vor allem als kreativer Befreiungsschlag für Regisseur Hermann Aichwalder gedacht war. Zuvor hatte Aichwalder nämlich mit seiner Gruppe Popcorn Cinema das Kindesmissbrauchs-Drama “Peterchen und der Wolf” abgedreht. Nach den deprimierenden Recherchen zu diesem Kurzfilm brauchte Aichwalder nun einfach etwas Knallig-Buntes, um seinen Kopf wieder von den düsteren Bildern frei zu bekommen.
Da drängte sich regelrecht die Geschichte von
“Too Long Fu” auf, in der Gangsterboss Big Ossi seine beiden
Handlanger Blonder (Thomas Nash) und Kurt ( Christoph Pengl ) auf die Suche nach
einer verloren gegangenen Tasche voll Kokain schickt. Auf ihrer Suche kreuzen
die beiden Gangster allerdings auch die Klingen mit einer schwer bewaffneten
Girlie-Bande namens Recalde Sisters (Anm.: Ein augenzwinkernder Gruß von
Thomas Nash an das Filmteam Recalde
Sisters von Juan Carlos Recalde, mit dem er schon “Diktatoren
küssen besser” drehte). Dass dabei auch noch ein Tierarzt mit ins
Geschehen gezogen wird und wie selbstverständlich eine unbekannte
chinesische Killerin aus dem Nichts auftaucht, versteht sich dabei beinahe wie
von selbst.
Nach einigen Überarbeitungen konnte das fertig gestellte Drehbuch endlich in Händen gehalten werden. Dank diesem war es auch möglich, die interessante Besetzung zusammenzustellen – darunter Philipp Stix ( Schlimmer gehts nimmer ), Alexander Fennon (“The Debt”, “Diktatoren küssen besser”, “Secret Service(s)”) und die ehemalige ORF-Moderatorin Miriam Hie. “So etwas Schräges habe ich zuvor noch nie gelesen”, war laut Aichwalder der Tenor der Darsteller auf das Drehbuch – und davon sollte sich auch die Crew hinter der Kamera anstecken lassen. Kameramann Viktor Schaider erkannte die Gelegenheit und nutzte “Too Long Fu”, um mit verschiedensten Objektiven zu spielen und flirrende Bilder entstehen zu lassen, die dem wilden Stil des Drehbuchs gerecht werden. Doch die Zusammenstellung der Besetzung und der Crew waren nicht die Hauptsorge, wenngleich Regisseur Aichwalder betont, dass er ohne das Engagement Viktor Schaiders den Film nicht gedreht hätte.
Viel wichtiger war es, einen geeigneten Spreng- und
Waffenmeister zu finden. Zuerst war zwar geplant, die vorkommenden Explosionen
mittels digitalen VFX-Effekten darzustellen –
doch von dieser Idee kam das Team recht schnell ab. Alles sollte so feurig,
gefährlich, staubig und real wie möglich aussehen – und was kann
echter wirken als eine echte Explosion? In Günther Jelleschitz fand man
schließlich den richtigen Mann für Explosives. Damit die Darsteller
im Umgang mit Handfeuerwaffen auch eine gute Figur machten, sorgte
Waffeninstruktor Hannes Aigner für die richtige Unterweisung.
Die folgenden vier Drehtage in und um Baden waren dann geprägt von Experimentier- und Spielfreude, aber auch von der Hoffnung, dass auch alles gut gehen möge. Eine Hoffnung, die sich letztendlich auch erfüllte: Vor allem die aufgrund ihrer technischen Detailfülle langwierig vorzubereitenden Actionszenen klappten oft schon beim ersten Versuch. Ein Umstand, der dem Team auch die Möglichkeit gab, genügend Zeit und Aufmerksamkeit für die Post-Produktion zu verwenden – wenngleich Hermann Aichwalder beim Schnitt sehr rasch vorging, denn “wenn ich das Drehbuch fertig habe, dann habe ich den Film auch im Kopf”. Auch der Sound sollte ansprechend sein – schließlich hat jede Waffe ihren ganz eigenen Klang. “Wir wollten einen Film drehen, mit Bildern wie sie hierzulande noch nie gesehen wurden”, resümiert Hermann Aichwalder und verspricht in Hinblick auf die Premiere “einen Filmtod, wie er so zuvor noch nie auf der Leinwand zu sehen war.“ Doch bis dahin muss er noch zusammen mit Popcorn Cinema-Partner und Editor Andreas Stiedl einige durchwachte Nächte verbringen, um den Film noch rechtzeitig fertig zu bekommen. Action pur bis zur letzten Sekunde.
Die Premiere von “Too Long Fu” findet am 21. November 2009 ab 19:30 Uhr im Directors´ Club (Halle B, Waltersdorferstraße 40) in Baden statt, als Vorfilm läuft Peterchen und der Wolf . Nach der Premiere weicht die Kinobestuhlung dem Dancefloor und es darf gefeiert werden.
INFO: www.toolongfu.at
Autor: Patrick Dorner
Foto: Zur Verfügung gestellt von Hermann Aichwalder /
Popcorn Cinema
TRAILER
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