Kommentar: 'Filesharer sind Idioten'
Ein höchstpersönliches Statement von CHRISTIAN HUFGARD, Mitglied der Piratenpartei und deren Pressesprecher des Landesverbands Hessen. Christian arbeitet seit acht Jahren als Softwareentwickler.
Bevor jetzt das große Flamen beginnt, bitte erstmal weiterlesen. Ich
meine hier natürlich nicht die, die Linux-Distros verteilen. Oder Creative
Commons-Filme. Oder sonst irgendetwas legales machen. Ich meine diejenigen, die
Inhalte gegen den Willen der Rechteinhaber im Netz verbreiten.
Manche Filesharer fühlen sich dabei wie moderne
Robin Hoods, die von den Reichen nehmen und den Armen geben. Rebellen der
Digitalität, die gegen die dunkle Seite der Rechteverwertung kämpfen.
Mutige Kämpfer in den unbekannten Weiten des Netzes.
Aber mal unter uns Pfarrerstöchtern: Das Risiko sollte doch mittlerweile
jedem bekannt sein. Ich wage einfach mal zu behaupten, dass jeder jemanden
kennt, der bereits eine Abmahnung bekommen hat. Selbst wenn das bei dir nicht
der Fall sein sollte, kennst du das Problem doch, oder? Die Deckelung auf
100€ in einem einfachen Fall, die ja jetzt erstmalig bestätigt wurde,
reduziert das finanzielle Risiko, aber wofür das ganze?
Liebe Leute, denkt doch einfach mal kurz nach: Die Abmahner machen Jagd auf
Uploader. Wenn ihr also umbedingt den neusten Hit von Lady Blabla wollt und ihr
nicht die paar Cent gönnt, die sie bekommt, wenn ihr den Song bei iTunes
ladet, dann saugt ihn halt bei YouTube. Nehmt denn 1-Klick-Hoster eurer Wahl.
Verwendet XDCC. Schneidet ihn bei einem Internetradio
mit. Es gibt so viele Möglichkeiten, ohne eine Abmahnanwalt
durchzufüttern an Inhalte zu kommen…
Eines Tages werden die Abmahnanwälte dann sicher noch mehr Druck auf die
wenigen verbliebenen Uploader ausüben und diese dann auch vom Netz nehmen.
Und dann? Dann müssen wir warten, bis das Urheberrecht geändert wurde.
Oder einer in unserer Clique muss der Dumme sein und Geld für Kunst
ausgeben und wie kopieren die Daten dann. Eine 1,5 TB-Festplatte per Post
verschickt hat eine Bandbreite von 5 MB/s bei einer Laufzeit von drei
Tagen…
Noch besser fände ich es dann aber noch, Creative Commons- oder komplett
freie Inhalte zu verteilen. Denn da wollen die Künstler sogar, dass man
ihre Kunstwerke mit anderen teilt. Aber auch diese Künstler freuen sich,
wenn sie von ihrer Arbeit leben können. Kunstwerke zu erstellen ist Arbeit.
Und ich finde es toll, wenn Menschen von ihrer Arbeit leben können. Dazu
kommt dann noch, dass nur Übung den Meister macht. Jemand der 40 Stunden
die Woche seine Kunsthandwerk praktiziert hat eine deutlich höhere Chance,
richtig gut zu werden als jemand, der nach Feierabend und am Wochenende ein paar
Stunden vor sich hin frickelt. Keine Frage, auch hier gibt es Ausnahmetalente.
Es gibt unter diesen sogar manche, die wollen nicht auf ihren
Brot-und-Butter-Job verzichten, da er Teil ihrer Inspiration ist.
Aber, liebe Filesharer: Respektiert die Wünsche der Künstler doch
einfach. Wenn die nicht wollen, dass ihr für sie Werbung macht oder ihre
Werke verteilt, dann lasst das einfach bleiben. Dann besteht auch keine Gefahr,
dass ein Brief vom Anwalt kommt. Wenn ihr nichts für Kunst zahlen wollt,
dann nutzt freie Inhalte. Davon haben die Künstler zwar auch kein Geld,
aber ihr habt auch keinen Stress.
Wer nicht weiss, wo er CC-Inhalte findet, auf musik.klarmachen-zum-aendern.de
gibt es ein paar Tipps.
Und jetzt:: Feuer frei.
Christian Hufgard
Photo:© Tobias M. Eckrich
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