Fatalis – ein 'Neo-Taxi Driver'
Die österreichische Filmzeitschrift celluloid beim New-York-Dreh zu
“Fatalis”, dem 40-minütigen Spielfilm des Grazers Simon G. Müller . Der Artikel,
erschienen in Ausgabe 3/2010 (S 61), wurde Indie-Stars.de freundlicherweise zur
Verfügung gestellt.
Vor nahezu vier Jahren hatte Simon G. Müller, damals noch Angestellter in einem Grazer Malerbetrieb, die Idee zu Fatalis . Ein Liebesdrama sollte es werden, vom Grundplot her eine Art Neo-“Taxi Driver”. Die ersten Versionen des Drehbuchs spielten noch in Wien, doch die Ironie des Schicksals wollte es, dass der Film in New York, dem Schauplatz des Vorbilds, realisiert wird. “Zuerst beschäftigte mich die Story zwei Jahre lang, daraufhin brachte ich sie mit meinem Co-Autor Senad Halilbasic zu Papier. Ein namhafter Produzent war schnell gefunden, doch es stellte sich heraus, dass der Film als Spielfilm in Österreich weit mehr kosten würde als mein Name als junger Filmemacher wert ist”, erzählt Müller.
April 2010: Simon G. Müller, seit nahezu einem Jahr Student der New York Film Academy , verwirklicht seinen Traum und dreht “Fatalis” als 40-minütigen Kurzfilm und als Abschluss des “One Year Film Making”-Programms.
Der Film spielt kurz vor dem Ausbruch des
Jugoslawien-Konflikts 1990 in New York. Die Spannungen unter den kroatischen,
bosnischen und serbischen Einwanderern sind mehr als nur spürbar. Inmitten
dieses Milieus wird die Geschichte von Milorad Mijatovic erzählt, der gegen
massive Vorurteile von allen Seiten kämpft und sich mit Jobs als Taxifahrer
über Wasser hält. Er versucht, den American Dream zu leben, wenn auch
nur in kleinem Maße. Milo verliebt sich in das falsche Mädchen und
muss sich entscheiden, ob für ihn Liebe oder Idealismus wichtiger ist.
Am Set in New York ist eines sofort zu spüren: Die Leidenschaft der jungen Cast und Crew. Die Crew, allesamt junge Filmstudenten der NYFA, agiert höchst professionell, vom kleinen “Studentenfilm” kann hier keine Rede sein. Elf Drehtage sind für “Fatalis” eingeplant, bis zu 16 Stunden am Tag wird gedreht. Meistens handelt es sich um Nachtdrehs, kaum eine Szene des Films spielt tagsüber. “Markus (Anm: Director of Photography) und ich arbeiten hier mit einer starken Bildsprache und Farbsymbolik. So kommt es auch, dass Tag oder Nacht im Film nur ein weiteres Ausdrucksmittel für die Stimmung des Protagonisten sind. Momente des Glücks sind lichtdurchflutet und auf Hochglanz poliert, während depressiv-trostlose Phasen düster und lichtarm dargestellt werden. Ich halte es für sehr wichtig, jedem Detail eines Films eine Bedeutung zu geben, es geht nicht bloß um einen tollen Look.”
Film statt Graphic Novel
Der knapp bemessene Zeitraum stellt jedoch für den Regisseur und DoP Markus E. Müller, seinerseits Absolvent der SAE Berlin, wenige Probleme dar, da der Film seit Jahren visuell geplant ist und die entsprechenden Storyboards auch schon lange fertig sind. Die Storyboards sind voller Details, liebevoll gezeichnet, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Farbgebung. Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Simon G. Müller eine Zeit lang überlegte, die Geschichte im Medium des Graphic Novel zu erzählen.
Der Cast besteht aus professionellen Schauspielern, doch mit dem Montegriner Adis Gutic wurde ein Laie für die Protagonistenrolle des Milo Miljatevic, einem New Yorker Taxifahrer kroatischer Abstammung, besetzt. “Adis hat eine unglaubliche Präsenz. Seine Lebensgeschichte ist nahezu dieselbe wie die des Protagonisten des Films. Ich habe also versucht, ihn indirekt über Emotionen und reale Erinnerungen zu steuern, ohne ihm jemals zu sagen, wie der die Szene spielen muss”, so Regisseur Müller.
Der mit circa 8.000 Dollar privat finanzierte Film geht nun in die Postproduktion, die in New York, Wien und Graz abgewickelt wird, und soll bereit im Herbst fertig und bereit für die Festivalauswertung sein. Pläne für die Zukunft? “Es gibt Pläne für einen 90-minütigen Spielfilm nächstes Jahr, aber es hängt eben wie immer von der Finanzierung ab. Ich kann noch nicht viel zum Inhalt des nächsten Films sagen. Doch ich möchte auch nicht viel darüber nachdenken, da ich momentan noch voll und ganz in ‘Fatalis’ drinstecke.”
INFO: Sämtliche Fotos mit freundlicher Genehmigung von Simon G. Müller. Der Artikel wurde im celluloid filmmagazin 03/2010 veröffentlicht. Abdruck ebenfalls mit freundlicher Genehmigung.
- http://www.celluloid-filmmagazin.com
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