Ulrich Herrmann

Ulrich Herrmann

Redakteur-Autor

Uli Herrmann war früher Filmkritiker der ZEIT. Seit 14 Jahren Tatort-Redakteur (und Stoffentwickler) beim SWR, aber auch Kino-Koproduktionen, z. B. SOPHIE SCHOLL (Marc Rothemund, Buch: Fred Breinersdorfer) oder aktuell STURM (Hans Christian Schmid, Buch: Bernd Lange). Selbst Autor von Kinodrehbüchern: SCHATTENWELT (Connie Walther), NACHTZUG NACH LISSABON (nach dem Roman von Pascal Mercier, Dreh: 2010).

Gastprofessor (Drehbuch) an der Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe und Veröffentlichung eines Handbuchs übers Drehbuchschreiben.

17.11.2008 / 18:32 · rel="superbox[iframe.feedback][500x450]">Artikel weiterempfehlen

"Dickes Lob"

Diese Indie-Film Seite hat mich überrascht. Das sind ernstzunehmende Filme. Dickes Lob, aus einem einfachen Grund: Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt.
Sogar mein Sohn Julius (15) ist eingestiegen. Er hat einen langen Sonntag Nachmittag sein Schüler VZ dafür geopfert.
Kleiner Tipp: Die beste Form fürs Indie-Schaffen ist, wie ich finde, zwischen 5 und 18 Minuten. Kürzer ist zu wenig und länger zu viel.

Geschaut habe ich:

Alles wegen des Hundes
Das ist ein Film, der in den Inhalten schwächer ist als in der Form. Ein junges Paar trennt sich, ein Hund tritt ins Leben der jungen Frau. Und führt sie zu dem Ort, wo sie zuletzt mit ihrem Freund gestanden ist, auf ein offenes Feld. Die Bilder haben Spannkraft, die Story wirkt ein wenig unterentwickelt. Joschka Laukeninks sollte hier beim nächsten Mal eine Schippe drauf legen.

i-Romance
Das ist ein richtig cooler, kleiner Film. Eine Business-Tante sitzt auf ihrem Working Chair und animiert sich ihre Gesprächspartner zusammen. Jan M. Studt gelingt es das Ganze leichtfüßig durchzuziehen. Die Tante verliert langsam die Kontrolle über ihren Joystick, wird zunehmend hysterisch. Das hat viel Witz, ohne moralsauer zu sein.

Zweimal Eva, zweimal Adam
Seltsamer Streifen. Jan Frehse (wie auch bei seinem Buddie Streifen Nichts ) geizt mit Dialogen. Lange Blicke, viel Bedeutung. Und nicht wirklich komisch. Die Story: zwei Paare essen schön zu Abend auf Malle. Aber dann passierts: Die beiden Frauen haben die Nase voll von ihren Langweilern und schlagen einen One Night Stand vor, aber nicht mit dem eigenen Partner (bei denen wärs auch einer, so, wie die sich mittlerweile anöden), sondern mit dem anderen natürlich. Frehse gelingt ein richtig schönes Dialogstück der Vier und man wird mehr als entschädigt für den Bildausfall bis dahin.

Conversational Cabbage
Sympathischer kurzer Film über zwei Unsympathen. Der eine hat keine Kohle, der andere hat welche. Also will der eine die Kohle vom anderen. Das geht ein paar Minuten so, dann macht Teymur R. Mokhtari das einzig Richtige: er sprengt sie in die Luft. Mit anderen Worten: Besser ein guter Filmschluss als ein halber.

In diesem Sinn: Viel Erfolg weiterhin.
Uli Herrmann


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