
Ulrich Herrmann
Redakteur-Autor
Uli Herrmann war früher Filmkritiker der ZEIT. Seit 14 Jahren Tatort-Redakteur (und Stoffentwickler) beim SWR, aber auch Kino-Koproduktionen, z. B. SOPHIE SCHOLL (Marc Rothemund, Buch: Fred Breinersdorfer) oder aktuell STURM (Hans Christian Schmid, Buch: Bernd Lange). Selbst Autor von Kinodrehbüchern: SCHATTENWELT (Connie Walther), NACHTZUG NACH LISSABON (nach dem Roman von Pascal Mercier, Dreh: 2010).
Gastprofessor (Drehbuch) an der Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe und Veröffentlichung eines Handbuchs übers Drehbuchschreiben.
"Dickes Lob"
Diese Indie-Film Seite hat mich überrascht. Das sind ernstzunehmende
Filme. Dickes Lob, aus einem einfachen Grund: Ich habe mich keine Sekunde
gelangweilt.
Sogar mein Sohn Julius (15) ist eingestiegen. Er hat einen langen Sonntag
Nachmittag sein Schüler VZ dafür geopfert.
Kleiner Tipp: Die beste Form fürs Indie-Schaffen ist, wie ich finde,
zwischen 5 und 18 Minuten. Kürzer ist zu wenig und länger zu viel.
Geschaut habe ich:
Alles
wegen des Hundes
Das ist ein Film, der in den Inhalten schwächer ist als in der Form. Ein
junges Paar trennt sich, ein Hund tritt ins Leben der jungen Frau. Und
führt sie zu dem Ort, wo sie zuletzt mit ihrem Freund gestanden ist, auf
ein offenes Feld. Die Bilder haben Spannkraft, die Story wirkt ein wenig
unterentwickelt. Joschka Laukeninks sollte hier beim
nächsten Mal eine Schippe drauf legen.
i-Romance
Das ist ein richtig cooler, kleiner Film. Eine Business-Tante sitzt auf ihrem
Working Chair und animiert sich ihre Gesprächspartner zusammen. Jan
M. Studt gelingt es das Ganze leichtfüßig durchzuziehen.
Die Tante verliert langsam die Kontrolle über ihren Joystick, wird
zunehmend hysterisch. Das hat viel Witz, ohne moralsauer zu sein.
Zweimal
Eva, zweimal Adam
Seltsamer Streifen. Jan Frehse (wie auch bei seinem Buddie
Streifen Nichts ) geizt mit
Dialogen. Lange Blicke, viel Bedeutung. Und nicht wirklich komisch. Die Story:
zwei Paare essen schön zu Abend auf Malle. Aber dann passierts: Die beiden
Frauen haben die Nase voll von ihren Langweilern und schlagen einen One Night
Stand vor, aber nicht mit dem eigenen Partner (bei denen wärs auch einer,
so, wie die sich mittlerweile anöden), sondern mit dem anderen
natürlich. Frehse gelingt ein richtig schönes Dialogstück der
Vier und man wird mehr als entschädigt für den Bildausfall bis dahin.
Conversational
Cabbage
Sympathischer kurzer Film über zwei Unsympathen. Der eine hat keine Kohle,
der andere hat welche. Also will der eine die Kohle vom anderen. Das geht ein
paar Minuten so, dann macht Teymur R. Mokhtari das einzig
Richtige: er sprengt sie in die Luft. Mit anderen Worten: Besser ein guter
Filmschluss als ein halber.
In diesem Sinn: Viel Erfolg weiterhin.
Uli Herrmann
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