
Max Tidof
Schauspieler
49 Jahre alt, lebt in München .
Erstes Theaterengagement 1979 im Studiotheater München "DER KLEINE PRINZ"
Erste Berührung mit Film 1980 "DIE ROTE ERDE" von Klaus Emmrich in den BAVARIA STUDIOS.
Seitdem unzählige Film- und Theaterproduktionen, darunter auch viele Low- und No-Budget Produktionen.
Bekenntnisse eines Fossils
Ich bin wohl einer der letzten und einzigen,der die Segnungen des Internets
nicht nutzt – außer durch den Umweg über meine
Frau, Tochter, oder den missratenen Neffen.
Ich habe in meinem Leben drei E-Mails geschrieben. Die erste
an einen Freund in Kuba , direkt in den Computer.Sie kostete mich 5 Stunden und
eineinhalb Flaschen Rose´. Diese Mail war ungefähr 20-30 Zeilen lang,
und, dank des genossenen Weins, am Ende hübsch unverständlich.
Daraus klug geworden,schreibe ich das,was ich zu sagen habe auf ein Blatt
Papier, verbessere, kritzel rum und tippe es später dann in den teuflischen
Apparat. Damit spare ich enorm Zeit ( ich brauche für den Sermon nur noch 4
Std.) und schone meine Leber und meinen Weinkeller !
Selbstverständlich hab ich kein Handy und somit auch noch
nie eine SMS geschrieben und benutze
GPS nur, wenn es im Mietwagen installiert ist.
(Solltet ihr jemanden verdächtig lange, in einem dunklen Auto, am
Straßenrand stehen sehn …hochkonzentriert und hektisch um sich
schauend…es ist niemand von der GEZ, auch kein
besonders blöder Drogenfahnder…..ich versuch ein neues Fahrziel
einzugeben!) Und natürlich hab ich trotzdem einen Haufen Landkarten dabei.
Ihr seht! Die neue Zeit ist gänzlich, und fast spurlos, an mir
vorübergeeilt.
Nun sitze ich also vor diesem, mir doch recht unbekanntem Gerät, man hat
mir alles eingestellt, man hat mir erklärt wo ich mit dem Pfeilchen hinmuss
und wann ich welches Knöpfchen drücke (an und ausmachen kann ich das
Teil natürlich nicht, außer mit einem Tritt) und schaue mir Filme an.
Filme, die ich sonst in meinem Leben nie zu sehen bekommen hätte!
Das allein, ist in der Tat, segensreich.
Natürlich muss ich mich erst an dieses ruckelnde zuckende
Bild gewöhnen. (Und ebenso natürlich werde ich das
natürlich nie tun.)
Natürlich fände ich es viel besser die Filme auf der
Leinwand, in einem Kreis subversiver, emphatisch düster funkelnder Menschen
die zu allem bereit sind, zu sehn, und mit denen man danach herrlich trinken,
rauchen und streiten kann, statt alleine hier vor dem Rechner zu sitzen. Und
natürlich finde ich Filme auf Material gedreht, viel
geiler als Elektronik………..
Fakt ist:
Ich hätte keinen einzigen dieser Filme gesehen, ohne Internet und
Indie-Stars.
Die Elektronik macht es möglich, dass man kleine Filme drehen kann, ohne
heimlich das Haus der Eltern zu verkaufen und Oma und Schwester (oder auch den
kleinen Bruder-um politisch korrekt zu bleiben – oder auch den Markt
möglichst gewinnbringend abzudecken) zur Prostitution zu zwingen.
Überhaupt scheint es mir, angesichts der Masse an
Casting/Game/Gerichtsshows etc. die wöchentlich über einen
hereinbrechen und die Fiction immer mehr an den Rand drängen, und auch dem
freudigen Zuspruch,den sie von Seiten des Publikums erhalten (wenn man Quoten
Glauben schenkt) der absolut richtige Weg zu sein,kleine nette schmutzige
billige Filme zu drehen und zu versuchen, die an den Mann zu bringen.
Das Fiktionale wird wohl zunehmend ein Nischendasein
führen. Es wird nie verschwinden, es wird immer Kino,Serien und große
Eventfilme geben, aber der Markt wird zunehmend enger.
Glückwunsch und Dank an Indie-Stars! Die Plattform, die
sie hier bieten, ist eine Möglichkeit jenseits dieses Marktes zu agieren,
und wer weiß, vielleicht einen eigenen zu schaffen.
Das Gleiche gilt für alle diejenigen, die ihre Filme hier
einstellen. Ich hab ein gutes Dutzend gesehn und mich bei keinem gelangweilt.
Das nenn’ ich eine Quote.Gut, ich hab nur bei den ersten 20 gewildert,
aber vielleicht schau ich morgen noch weiter.
Ach ja, sollte jemand dem Irrglauben erliegen (oder unterliegen ?!?) ich war
inzwischen im Media Markt und hab mich mit der neuesten Technologie eingedeckt,
dem ist nicht so.
Ich bin unverbesserlich!
Leute wie ich sterben auch nicht aus:
Wir versteinern!
Wie auch immer, hat mir mein kleiner Ausflug in die moderne Welt, dank Euch,
viel Spass gemacht. Das gibt Hoffnung. Macht weiter so. Rosen
auf Euren Weg.
P.S.Was mir bei fast allen Filmen angenehm aufgefallen ist, entgegen dem
vorherrschenden Trend: Erstaunlich wenig Großaufnahmen und es wurde viel
und wild geraucht. Super!
Im Einzelnen:
SECURITY von Lars Hennig
Sehr schöner Film, kurz und knackig, schön inszeniert, schön
produziert und fotografiert und schön gespielt. PETER KURTH`s personifizierte
Einsamkeit die ihm selbst erst im letzten Drittel des Films klar wird und er
sieht so aus, als wenn er schon längere Zeit nicht mehr so richtig gut
riecht.
SUZANA ROZKOSNY stellt zwei
völlig verschiedene Personen auf die Leinwand: Und das nicht nur mit
Hilfe/weglassen des Akzents.
Super gemacht ist das Ende. Beide zünden sich eine Zigarette an, sie
schliesst die Tür und lässt uns zurück mit der schwazen
Leinwand….. und jetzt…..der Beginn einer
Liebesgeschichte…oder..ein knallhartes
Verhör..oder…oder…..
Sehr schön!Habe selten Zigaretten so gut spielen sehen.
AUF JEDEN FALL von Jasper Beutin
Abgefahrener eigenwilliger und expressionistischer Film. Sehr stimmungsvolle
kafkaeske Bilder. Sieht aus, als wäre das alles in einem Atelier aufgebaut.
Oder kann man das mit einer elektronischen Kamera machen?! Wie auch immer.
Beeindruckend.
Der Film lässt viele Deutungen zu, vielleicht zu viele?! Auf der anderen
Seite, Genug ist nie Genug!!
DESS OR ALAIF von Otu
Tetteh
Sehr netter engagierter Film. Gut gefällt mir die Verkopplung mit der
Musik, zurückspulen, weiterlaufen lassen und der Film nimmt eine andere
Wendung. Apropos Wendung: Böse Computerspiele tragen zur
Konfliktlösung bei, und helfen den Menschen bessere Menschen zu werden!
Genialer Gedanke! Was ist das? Die Umkehrung der Politik mit illegalen Mitteln?!
Gefällt mir. Gefällt mir gut. Der ganze Film gefällt mir gut. Otu
Tetteh weiss worüber er dreht.
Hart, naiv und herzlich!
PALOMA von Simon Jaikiriuma Paetau
Vielleicht mein Lieblingsfilm. Dem trägt natürlich Rechnung, Dass
Paetau erst 21 ist, (was ein bisschen unfair ist, da ich das Alter der meisten
anderen ja nicht kenne) und er ist Auftrag des Herrn unterwegs. Er hat etwas
auszudrücken, etwas mitzuteilen, einen Missstand aufzudecken. Und
dafür benutzt er das Medium Film. Das erinnert mich an den jungen
Fassbinder.
Die Einführung mit der Taube, kitschig aber schön. Die junge Frau,
einsam, in einer fremden und doch irgendwie vertrauten Stadt. Die vielen Hin und
Herschnitte in den verschiedenen Welten, das alles ohne Dialog, oder auf
Spanisch, und erzählt doch alles! Sehr filmisch und bildgewaltig mit seinen
sichtbar begrenzten Mitteln. Ein Idealist. Möge er uns erhalten bleiben! In
dieser Welt, die Idealisten nicht so wirklich schätzt!
CHAT ROOM von Volker
Krieger,
Eine HARTE RECHTE. KURZ und TROCKEN geschlagen! So
ist dieser Film!
Eine sehr schöne Idee, exzellent und plausibel umgesetzt. Ich habe chatten
verstanden. Mit all seinen Facetten. Mit seiner Verrücktheit,
Kommunikationsfreude und Unfähigkeit, den versteckten und offenen
Sehnsüchten, Kurzweiligkeit, Langeweile, etc.
Vielen Dank dafür!
KLEINE GESCHICHTEN VOM LEBEN UND TOD von Falk
Schweikhardt,
Ich mag das Wort nicht, aber hier trifft es zu. Er ist sicher der
Proffessionellste von den Filmen die ich hier gesehen habe.
Sehr gut produziert, sehr gut fotografiert und inszeniert. ALEXANDER RADZUN spielt seine
Figur sehr schön. Ein wenig ölig glatt, männlich, merkwürdig
gebrochen, ein bisschen sitzengelassener Liebhaber, ein bisschen Kinderficker.
Er macht das alles gut. Aber ich kann ihn nicht einordnen.
Und genauso geht es mir mit dem Film. Ich versteh ihn nicht. Aber er ist sehr
gut gemacht.
P.s. Ich habe jeden Film nur einmal angeschaut und zwar mit Absicht. Diesen
hätte ich vielleicht zweimal sehen müssen. Hab ich aber nicht.
CONVERSATIONAL CABBAGE von
Teymur Mokhtari,
Als erklärter Feind von Großaufnahmen hat mir dieser Film am
wenigsten gefallen. Kein Wunder. Bis auf die, recht schöne,
Einführung besteht er nur aus Großaufnahmen. Auch die Geschichte ist
mir zu konstruiert, und dass die beiden mal gute Freunde waren merkt man,
außer textlich, nicht mal an einem Augenzwinkern. Das macht aber nichts,
weil, MOKHTARI auch…..
…….RETTE ROBERT von
Satira Anthony Sudarbo,
produziert hat und mitspielt. Und das ist ganz famos! Beide spielen sehr
schön. Eine Freude ihnen zuzuschauen! Gut inszeniert, das langsame
Abdriften vom Drama in die Komik und zurück.
Sehr, sehr schön und skurril, die verschiedenen Tötungsversuche (nur
die drei oder viermalige Auflösung der Schlinge ist mir zu lang. Eine noch
andere Tötungsart wäre fein gewesen) und die rasante Jagd durch die
Stadt. Gut produziert, gut fotografiert, die Anfangsbilder sind
wunderschön, und das Ende ist eine wirkliche Überraschung! Feiner
Film!!
Max Tidof
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