Michael Scholten

Michael Scholten

Filmjournalist

Michael Scholten liebt Filme und Fernsehen. Und er liebt es, über Filme und Fernsehen zu schreiben.

Als Reporter der Zeitschrift *TV Spielfilm* besuchte er von 1997 bis 2007 Drehorte und Preisverleihungen in aller Welt und führte viele tausend Interviews mit Schauspielern und Regisseuren.

RTL holte ihn in die *Jury für den Deutschen Fernsehpreis* und den *Deutschen Comedypreis*.

Bei der Oscar-Verleihung war er auch mal – und wurde in einer Werbepause rausgeschmissen, weil er angeblich ein Schwarzmarktticket besaß.

Im Sommer 2007 kündigte Michael Scholten seine Festanstellung, verkaufte seine Hamburger Wohnung und reiste 14 Monate lang einmal um die Welt. Aus der Ferne berichtete er für deutsche Zeitschriften und Internetangebote. Natürlich auch über Film und Fernsehen in exotischen Ländern wie Papua-Neuguinea, Malawi und El Salvador.

Zurzeit lebt der 37-Jährige als freier Journalist und Fotograf in Berlin und arbeitet u.a. für *Spiegel Online*, *TV Spielfilm* und *Bild am Sonntag*. Zudem ist er Autor für den Internet-Auftritt der ZDF-Show *Wetten, dass...?* und schreibt eifrig Pressehefte für die *Constantin Film AG*.

17.03.2009 / 18:11 · rel="superbox[iframe.feedback][500x450]">Artikel weiterempfehlen

"Das hat mir gerade noch gefehlt!"

„1, 2 oder 3“ ist schuld. Ende der 70er Jahre spielte in dem ZDF-Kinderquiz ein Schüler mit, der zwar nicht gewann, aber von seinem Hobby erzählte: Er drehte mit Papas Kameras kurze James-Bond-Filme. Michael Schanze, der Moderator, fand das lustig. Michael Scholten, also ich, fand das genial. Mein Vater hatte leider keine Kamera. Aber Eriks Vater hatte eine. Erik rutschte in meine Schulklasse, weil er sitzen geblieben war. Schlecht für ihn. Gut für mich. Jetzt hatte ich Zugriff auf eine Kamera. Wir drehten Western mit Playmobil, Actionfilme mit Big Jim, „Krieg der Sterne“ mit den viel zu teuren Star-Wars-Püppchen. Ich sprach Luke Skywalker. Mit Stimmbruch. Als Eriks Vater von Beta auf Video 8 umrüstete, konnten wir richtige Parodien in Spielfilmqualität drehen: „Miami Vice“. Fünf Teile. Wir schrieben Drehbücher, teilten uns die Hauptrollen als Funny Krokette (Erik) und Corega Tabs (ich), besetzten die Nebenrollen, bauten Kulissen, bastelten Waffen, schneiderten Kostüme, ließen Wohnungen explodieren. Wir waren Independent-Filmer, ohne es überhaupt zu wissen. Wir kannten diese Vokabel nämlich noch nicht.
Unser Publikum waren Eltern, Freunde, Mitschüler und alle, die bei Schulfesten 50 Pfennig Eintritt zu zahlen bereit waren. Was hätten wir in den 80er Jahren dafür gegeben, wenn unsere Filme auf einer Plattform wie Indie-Stars.de hätten laufen können? Notfalls auch ohne 50 Pfennig Eintritt. Mein Glückwunsch gilt den Machern dieser Seite, aber auch den jungen Regisseuren, die hier ihre Werke präsentieren können. Denn Indie-Stars.de schafft Öffentlichkeit und Möglichkeiten, weckt Neugier und Nachfrage, macht Spaß und Appetit auf mehr. Für mich ist Indie-Stars.de wie Youtube mit Klasse statt Masse. Ich schaue immer wieder rein und lass mich gern überraschen. Dann und wann kribbelt es sogar in meinen Fingern, auch mal wieder einen Film zu drehen. Ich sollte Erik anrufen. Aber der arbeitet jetzt leider beim Finanzamt. Ich mag keine Finanzämter.

Hier meine Kritiken im Einzelnen:

An Falk Schweikhardts Kleine Geschichten von Leben und Tod gefällt mir vor allem die Kameraarbeit: viele Nahaufnahmen, lange Einstellungen, gute Perspektiven auf engstem Raum. Obwohl zunächst kaum etwas passiert und kaum einer redet, erzeugt die Summe aller Bilder eine ungeheure Spannung. Da wird selbst das Zubereiten des Abendessens zu einer aufregenden Angelegenheit. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob mein Hirn schlussendlich alle Handlungsstränge korrekt zusammengeführt hat, gebe Falk Schweikhardts filmischem Kleinod aber trotzdem VIER von fünf Sternen. Schon allein der Stimmung wegen.

Der Liebesfilm von Simon Oberli ist – wie der Titel selbst – schlicht, aber effektiv. Ich mag die Figuren aus Plastellin und dünnen Stromerdrähten, die knalligen Bonbonfarben der Kulisse und den kitschigen Klang der Harfe. Alles wirkt ein bisschen naiv und vielleicht gerade deshalb so liebenswert. Dass der dicke rosa Flatterengel Amor am Ende alles vermasselt, ist nicht nur tragisch, sondern irgendwie auch gerecht: In meinem Leben geht’s ja auch nicht anders zu. VIER von fünf Sternen. Schon allein aus Selbstmitleid.

Bernd Schaarmanns Worst Case sieht klasse aus, ist gut gefilmt und gut gespielt. So gut, dass ich die ganzen gezeigten Werbe-Heinis aus der Agentur „Springer von Matt and Friends“ schon nach zwei Minuten unausstehlich finde. Ihr Gelaber und Geblubber, getränkt in vermeintlich modernen Englischvokabeln, ist durchaus witzig. Dennoch hätte ich beim Finale eine knalligere Pointe gewünscht. So gilt: Not bad! Aber irgendwie nicht crazy genug. Und deshalb nur DREI von fünf Sternen.

Sascha Dornhöfers Persiflage Regieanweisungen Präzise ist perfekt. Mit einem einzigen Schönheitsfehler: Ich weiß nicht, ob die Idee von ihm stammt oder ob er sich von einer fremden Vorlage hat inspirieren lassen. Wenn ich den Vierminüter als eigenständigen Film betrachte, ist er ein kleines Meisterwerk. Außerdem ist er der beste Beweis dafür, dass es in der Branche auf Ideen ankommt und nicht auf riesige Budgets. Sascha Dornhöfer macht vor, wie man Massenszenen und Großfahrzeuge zum Nulltarif „inszenieren“ kann. Dafür gibt es – vorbehaltlich meiner oben erwähnten Ideen-Zweifel – präzise FÜNF Sterne.

Veit Helmers Freudenhaus liegt schon im Archiv von Indie-Stars.de, gehört aber noch lange nicht zum alten Eisen. Allein die coole Oma (Vera Kluth), die mit viel Ideenreichtum und handwerklichem Geschick einen Blick auf den Knackarsch des Zivildienstleistenden (Sven Philip) erhaschen will, ist jeden Aufruf des Films wert. Der Abspann macht den ohnehin flotten Film noch schöner. Meine FÜNF Sterne widme ich von Herzen allen mitwirkenden Damen aus der Senioren-Residenz Mainpark in Frankfurt-Niederrad.

Fazit: Ein Angebot wie Indie-Stars.de hat mir gerade noch gefehlt! Und vielen anderen auch. Macht weiter so! Dann habt Ihr mich als Dauergucker sicher.

Alles Gute, viele Klicks und wunderbare neue Filme wünscht

Michael Scholten
www.michaelscholten.com


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